Der letzte livelyriX Poetry Slam des Jahres fand wie immer im Dezember in etwas kleinerem Rahmen statt, sorgte aber bei den über 200 Zuschauern in der Scheune trotzdem für wohlige Gefühle. Fünf auswärtige Gäste maßen sich mit fünf Dresdner Poeten von der Offenen Liste.
Den Anfang machte die Berliner Poetin Peh mit einem frei vorgetragenen Text namens “Flatliners”, in dem sie Gast ihrer eigenen Beerdigung wurde. Thomas Jurisch aus Dresden wurde anschließend als Topfpflanze wiedergeboren. Es folgte Nadja Schlüter aus Bonn, die einen Text darüber geschrieben hat, was Geisteswissenschaftler mit ihrer Zukunft machen können: nämlich nichts. Sophia Mix aus Dresden war zum ersten Mal dabei und versetzte sich in ihrem Text in die Rolle der Juniorchefin von Nestle. Die erste Vorrunde beschloss Udo Tiffert aus Neusorge, der sich eine Welt ohne Zahlen, aber dafür mit Haaren unter der Achsel wünschte. Auf Startplatz sechs überraschte ein Debütant: Der Chemiestudent Gülz präsentierte kurze Gedichte, die seinem Vorbild Hermann Hesse alle Ehre machten. Ihm folgte der Tübinger Harry Kienzler, der von Hans berichtete, dessen größter Traum darin besteht, sich nie wieder waschen zu müssen. Die Dresdnerin Morné Mirastelle hackte auf einer Minderheit rum und erzählte gewitzt von ihrer Abneigung gegen Jongleure. Mischa-Sarim Vérollet aus Bielefeld ließ sich durch die Plage des Heuschnupfens zum Angriff auf die Natur hinreißen. Und Moritz 7 aus Dresden beschloss die zweite Vorrunde mit schönen Gedichten in der Tradition des frühen Minnesangs.
Das Publikum stimmte ab und wählte trotz sehr ausgeglichener Stimmenverteilung doch drei Finalisten: Mischa-Sarim Vérollet erzählte in seiner Finalgeschichte passend zur Jahreszeit davon, wie Weihnachten zum Freifahrtsschein für Kollektivschwachsinn wird. Udo Tiffert begegnete in Niesky (Oberlausitz) einer junge Frau, die auf ihrem T-Shirt “Odin statt Jesus” forderte. Und Peh zeigte sich gegenüber den üblichen Hausfrauenfantasien als schwer entflammbar. Das Publikum setzte per Applaus Mischa-Sarim Vérollet knapp hinter Peh knapp hinter den Gewinner Udo Tiffert – herzlichen Glückwunsch in die Lausitz!
Den nächsten livelyriX Poetry Slam gibts wieder am letzten Freitag im Januar, also am 29.01., ab 21 Uhr in der Scheune. Bis dahin wünschen wir schon mal allen Freunden der Live-Literatur frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.