Den ganzen Tag richteten sich bange Blicke zum stark bewölkten Himmel, doch glücklicherweise spannten die Musen ihren Regenschirm über Dresden aus, um die sechsten Sächsischen Meisterschaften des Poetry Slam in der Jungen Garde trocken über die Bühne gehen zu lassen. Sicher nicht nur dank des guten Wetters brach der 6. Grand Slam of Saxony auch den Zuschauerrekord aus dem letzten Jahr. Über 600 Zuschauer hatten wieder den Weg in die Junge Garde gefunden.
Sie erlebten eine abwechslungsreiche Vorrunde der zehn angetretenen Poeten. Zuerst brachte Bleu Broode aus Erfurt seine Abneigung gegen Liebespaare zum Ausdruck. Ihm folgte der Vorjahressieger Jan Koch, wieder mit stimmungsvollen Gedichten. In einem beschäftigte er sich mit dem Siebenschläfer, im anderen mit der Machtlosigkeit des Mondes. Tobi Kunze aus Hannover hatte seine eigene Anreise in eine Geschichte gepackt. Ihm folgte der Lausitzer Autor Udo Tiffert, der gleich drei Texte las – besonders im Gedächtnis blieb den Zuschauern eine über die Tücke der Frage “Wie geht es dir?”. Jens Kassner schloss die erste Runde mit einem ganz frischen und dazu noch selbstreflexiven Rap zum Thema Poetry Slam ab. Das Publikum entschied sich klar für Bleu Broode und Udo Tiffert, die damit ins Finale einzogen.
Für Scharri aus Stuttgart, der leider kurzfristig wegen Krankheit absagen musste, sprang die junge Autorin JaNaKlar aus Leipzig ein, die sich mit einer Geschichte über verlorenen Freundschaft hervorragend schlug. Thomas Jurisch aus Dresden hatte anschließend einen Traum, der alles Dumme auf der Welt zum Verschwinden brachte. Tilman Birr aus Berlin erzählte davon, wie er sein Geld durch Touristen verdient, die im Berliner Hartz-IV-Alltag Urlaub machen wollen. Das “Team Totale Zerstörung”, bestehend aus Julius Fischer und André Herrmann, thematisierte das Thema Themen in einem gut gewürzten Text. Die Vorrunde beschloss die Leipziger Schriftstellerin Franziska Wilhelm mit dem Wunsch, in Zukunft nur noch Gruppenreisen zu machen. Der Applaus des Publikums war diesmal gleichmäßiger verteilt, aber die beiden Moderatoren Stefan Seyfarth und Michael Bittner hörten doch einen leichten Vorteil für JaNaKlar und das “Team Totale Zerstörung” heraus.
Im Finale entschieden sich die Zuschauer nach den Voträgen der vier Finalisten ganz eindeutig für Udo Tiffert, der einen Vortrag über den unterschätzten Philosophen Winfried L. Arbeit gehalten hatte: Beziehungsarbeit, Trauerarbeit, Beziehungs- und Trauerarbeit. Herzlichen Glückwunsch an Udo, erstmals Gewinner des Grand Slam of Saxony und Dresdner Vertreter bei den Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften im Herbst in Düsseldorf.
Den nächsten regulären livelyriX Poetry Slam nach der Sommerpause gibt’s am 25. September um 21 Uhr wieder in der Scheune.
[...] Nachtrag: Einen kleinen Rückblick auf den 6. Grand Slam gibt’s inzwischen auch. [...]